DenkPalast – im Schall und (Kala-) Rauch

2. Im Zug des Genderstroms

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Heute ist es oft voll – im Zug. Früher war Sitzen die Regel. Darum wurde mir wohl erst jetzt – stehend – klar, im Überblicken der Reisenden, welch schöner Ausschnitt aus der Gesellschaft in den Abteilen zu viert zusammenfindet. Mehrheitlich mit Stöpseln in den Ohren, andere halten sich am Wanderstock fest, die nächste sucht ihren Lippenrand mit einem dicken Stift, zwei Krawatten fallen cool über die auf Knien balancierte Tastaturen der Geräte, ein Buch in Schräglage, eine viel zu grosse Zeitung und vor allem Stöpsel, Stöpsel in Ohren und Smartphones. Lautes schnelles Zurren in unkenntlicher Sprache, gehackt von einem herb kratzigen „Wa häsch gseit“?, untermalt von Klingeltönen und einem Rauschen eines übergrossen Kopfhörers, aus dem sich der Bass davon macht. Es leuchtet rot, oben beim Durchgang – dessen Mechanik sich wie eine Diva verhält, nur beim Wedeln mit der Hand auf ausgeklügelter Höhe, öffnen sich seine Türen. WC besetzt. Das WC für Männer oder Frauen? War es nicht die Universität Zürich, welche mit dem Argument, dass es keine Damentoiletten im Gebäude gäbe, die Zulassung von Frauen am Studium – sagen wir mal salopp – verstopfte? War Zugfahren für Frauen auch verboten? Wohl kaum. Urdemokratisch erscheint mir dieser Zug, ungeheuerlich gerecht (mal abgesehen von der 1. Klasse – aber auch diese kann leicht eingenommen werden). Alle – Frauen wie Männer – benützen das gleiche Kloset. Alle sitzen manchmal und manchmal stehen sie. Alle kommen gleichzeitig an. Die Eisenbahn – sogar die SBB! – macht seit jeher etwas, das bis ins Jahr 2015 keine Universität, kein Restaurant, kein Warenhaus, kein Bürogebäude schafft: Verzicht auf konstruierten Unterschied! Verzicht auf sozial geschaffene Ungleichheit! Unsere (Frauen-)welt würde doch vielleicht etwas anders aussehen, hätte es diese Zuordnung nicht gegeben. Es gibt natürlich heute noch Frauen, die nie auf ein Männerklo gehen würden und es in Kauf nehmen, stundenlang in der Schlange zu stehen. Zeit, in der Männer schon beim nächsten Buch oder Bier sind. Hat die SBB von den Frauen diesbezüglich jemals Lorbeeren erhalten? Wohl nicht. Meine nächste Kala – Zigarre rauche ich auf die SBB! Danke. Merci. Grazie.

1. Start des DenkPalast

Kala rauchend auf dem Balkon sitzen und die Gedanken vorbeiziehen zu lassen, Kolumnen von anderen lesen oder versuchen nichts zu denken – was sollen Mittevierzigerinnen ohne Kinder tun? Den Cyberspace mit Nichtssagendem bemüllen – als gäbe es nicht schon genügend Müll, welcher mit der Delete-Schaufel weggeklickt werden muss? Likes und Followers sammeln, bis das eigene Ego, welches früher mit einigen Freundinnen gut gestützt durch die Welt ging, abhängig von steigenden Zahlen ist – verinnerlichter Wachstumsglaube – das Ego wird gross und grösser, 100 Likes, 150, 200, 250…. beim nächsten Post nur 88… und die Depression ist da. Gut, dass sich meine Generation – ich bin erst 42! – noch daran erinnern kann, wie sie das Schnurtelefon vom Wohnzimmer in den Gang gezerrt hat, um ungehört eine Verabredung auszuhandeln. Wo Liebesbriefe noch per Post kamen. Manchmal wünschte ich mir – insbesondere auf langen Zugfahrten – Peinlichkeit wäre wieder ein angesagtes Gefühl – wieso wird mein Gegenüber nicht rot, wenn sie einer Freundin erklärt, was für ein Arschloch ihr Freund ist und in meinen starren Blick blickt? Da ich noch mit dem Unterschied von öffentlich und privat sozialisiert wurde – werde ich wohl nicht versucht sein, meinen Blog (der so tut als wäre er eine Website) als Tage- und Bilderbuch zu benutzen. Falls ich diese Grenze nicht mehr spüren sollte – bitte Freundinnen und Kalaraucherinnen (und Raucher) – macht mich darauf aufmerksam – falls ihr noch könnt – irgendwann sind wir wohl durch und durch modernisiert und „peinlich“ wird nicht das einzige Wort sein, welches aus dem Duden entfernt werden kann. Duden?

Also resümiert: im DenkPalast lass ich ab und zu etwas Balast ab, der während dem Kalarauchen ausgeatmet wird…. damit mein Blog eine Aktualisierungsbasis hat – denn die Zigarren sind da, sie bleibt gleich gut und es gibt keine Neue. Doch das Medium Blog/Website will gefüttert werden – und ich habe mir Ewigkeiten Zeit gelassen – bis heute! Neue Farben, etwas Korrektur und mit dem DenkPalast ein neues Format!

Und mehr Followerinnen? 😉

Eine Antwort zu “DenkPalast – im Schall und (Kala-) Rauch

  1. Pingback: Sommerfrische | NICA ZIGARREN

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